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ERMITTLUNGEN IM FALLE MUTZENBACHER |
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Wiener Prater, Präuschers Panoptikum
»Wir beginnen, so wie die Besucher, am besten am Eingang«, begann Präuschers Schwiegersohn die Führung. Schwere, abgestandene Luft schlug dem Detektiv entgegen, der eifrig Notizen machte. »Zur Linken, in diesem Glaskasten, sitzt gewöhnlich meine Frau, die Dame ohne Unterleib, und schon gelangen wir in die erste Abteilung, die sich mit dem Menschen beschäftigt.« Nun veränderte sich der Tonfall des Mannes. Er begann mit salbungsvoller Stimme einen Text vorzutragen, den er offenbar auswendig kannte: »Der moralische Zweck eines anatomischen Museum ist die Erkenntnis des eigenen menschlichen Organismus. So wie jedes Geschöpf, welches aus den Händen Gottes hervorgeht, bis in die kleinsten Teile vollkommen und makellos erscheint, so steht der Mensch durch Geist und Selbstbewusstsein auf der höchsten Stufe irdischer Vollkommenheit und hat die Aufgabe, sich durch seine Fähigkeiten alle Geschöpfe untertänig zu machen und sie zu beherrschen. Ein jeder Gebildeter wird die Erkenntnis seines eigenen Körpers für die Basis seines geistigen Lebens halten und durch Selbsterkenntnis erst zu den Höhen menschlicher Vollkommenheit gelangen. Schon die alten Griechen und Römer hielten Selbsterkenntnis für den Anfang der Weisheit, denn in erhabenen Lettern standen die Worte des Mottos unseres Museums ›Erkenne dich selbst‹ über dem Tempel des delphischen Gottes und sind noch heute als unumstößliche Wahrheit in unsere Herzen eingeprägt.« Der Besitzer des Panoptikums betätigte einige Schalter, und es wurde hell in dem völlig in Schwarz gehaltenen ersten Raum der Ausstellung. Das elektrische Licht spiegelte sich in einer Ansammlung von Glasbehältern unterschiedlicher Größe, in denen, in Spiritus konserviert, menschliche Embryonen zu sehen waren. »Man bezeichnet die Frucht bis zum dritten Monat als Embryo, während sie in der folgenden Periode Fötus genannt wird«, erklärte Herr Prechtl dem eifrig mitschreibenden Alexander Loos alias Neuberg ... |
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J. J. Preyer Ermittlungen im Falle Mutzenbacher Wiener Literaturkrimi ISBN 9783902291226 180 Seiten, Euro 14,40 |
Wiener
Literaturkrimi mit Alexander Loos, dem Detektiv des Fin de Siècle. Ist Felix Salten tatsächlich der Verfasser der Josefine Mutzenbacher? Das kriminalistisch-erotische Rätsel mit überraschendem Ende. Erhältlich im Buchhandel,
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Steyrer Rundschau vom 20. März 2008 |
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Thomas Przybilka von den Alligator-Papieren hat J. J. PREYER ERMITTLUNGEN IM FALLE MUTZENBACHER zu seinen KRIMI-TIPPS aufgenommen. Zu finden unter http://www.alligatorpapiere.de:80/przybilkas-primaertipps-vierzehn-nullnull-acht.html
Preyer, J.J.:
Dieser Roman lässt den Leser an der Lösung des Rätsels teilhaben, indem die möglichen Urheber vorgestellt werden, als Person und mit Proben ihres Schreibens. Die Kandidaten sind: Arthur Schnitzler (1862-1931), Autor des Skandalstückes "Der Reigen", das besonders in seinen Regieanweisungen an den Tonfall der "Mutzenbacher" erinnert. Auch er schrieb für den "Wiener Verlag". Felix Salten (1869-1945), Autor des Kinderbuches "Bambi". Veröffentlichte im "Wiener Verlag" anonym das Skandalwerk "Bekenntnisse einer Prinzessin", das pikante Details aus dem Wiener Kaiserhaus verrät. Sein früherer Freund Karl Kraus bezeichnete ihn in ganz Wien als Urheber der "Mutzenbacher". Salten schwieg zu dieser Behauptung. Leopold Wölfling (1868-1935), als Erzherzog Leopold Ferdinand Salvator 1868 in Salzburg geboren. Ein Sohn des Großherzogs Ferdinand IV. von Toskana. 1902 verließ der Erzherzog das Kaiserhaus und floh mit der Wiener Prostituierten Wilhelmine Adamovich in die Schweiz, wo er sie heiratete. Schrieb für den "Wiener Verlag".
Hans Kirchsteiger (1852-1932),
katholischer Priester, dessen Leben viele Parallelen zum "Mutzenbacher-Text"
aufweist. Kirchsteiger durfte sein Priesteramt nicht mehr ausüben, nachdem
er sich an Schulmädchen vergangen hatte. Er wandte sich der
Sozialdemokratie und dem Romanschreiben zu. Im "Wiener Verlag"
veröffentlichte er den Bestseller "Beichtspiegel", in dem er sein Leben
verklärte. |
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PETER HIESS IM BUCHMAGAZIN BUCHKULTUR, AUSGABE AUGUST/SEPTEMBER 2008
Was ein Krimi aber sehr wohl sein kann, ist eine gut gelaunte Literaturanalyse, wie sie der österreichische Autor und Verleger J. J. Preyer (der auch den alten Sherlock schon reaktivierte) in seinen "Ermittlungen im Falle Mutzenbacher" liefert. Darin forschen Detektiv Alexander Loos und sein Adoptivsohn Melzer im Auftrag des "tatverdächtigen" Priesters Hans Kirchsteiger nach dem Urheber des 1906 im Wiener Verlag erschienenen Pornoklassikers. War es wirklich Felix Salten? Oder Arthur Schnitzler? Oder gar Leopold Wölfling, der geborene Erzherzog, der wegen seiner Liebe zu einer Prostituierten vom Kaiserhaus verstoßen wurde? Dieser Frage geht auch eine seltsame Gruppe finsterer Mönche nach, die besagte Verdächtige gleich kastrieren. Preyers Literaturkrimi mit seinen vielen Originalzitaten und Jahrhundertwende-Schauplätzen mutet zwar sehr wie Programmliteratur an (Konzept erstellen und dann mit Inhalt anfüllen ...), liest sich aber auf jeden Fall interessanter als so mancher gehypete Wien-Krimi der Gegenwart mit all den aufgesetzten Skurrilitäten und Banalitäten, die diesem Lokalgenre mittlerweile leider eigen sind. Sollte man lesen.
Und bei den Alligatorpapieren >>>
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