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DIE AUTORIN

Sabine Maria Gruber wurde 1960 in Linz geboren. Nach Abschluss ihres Fremdsprachenstudiums an der Universität Wien arbeitete sie als Übersetzerin und Texterin. Sie lebt heute mit ihrer Familie in Klosterneuburg.

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BESPRECHUNG

Joachim Reiber im "Wiener Journal"

Auf bunt schillernden Flügeln

Ein Buch, das sich überraschend und aufs schönste als Trouvaille entpuppt: Denn dem "Schmetterlingsfänger", mit dem die Übersetzerin und Texterin Sabine Maria Gruber ihr Debüt als Romanautorin gibt, haftet nichts vom Raupenzustand eines Erstlingswerks an Dieser Neuling kommt flügge zur Welt. Wo andere die Schwingen der Poesie erst mühsam aus dem Kokon von Tradition und Ambition schälen, erhebt er sich frei und souverän auf den bunt schillernden Flügeln der Sprache.
 
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie, zumal wenn sie so gut erzählt wird wie hier - immer neu. Ein Jüngling liebt ein Mädchen, das hat zwar nicht, wie‘s bei Heine heißt, einen andern erwählt. Aber es entzieht sich diesem Jüngling, entwindet sich seiner obsessiven Liebe, entfliegt ihm wie ein Schmetterling. Die Bilderwelt der Falter wird in dieser Liebesgeschichte metaphorisch fein entfaltet - wie der Roman überhaupt von einem feinmaschigen (Schmetterlings-)Netz von Metaphern und Motiven durchzogen ist. Die Musik spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Hauptfigur Schmetterlingsfänger und Ich-Erzähler in Personalunion, ist Pianist, genauer gesagt: Liedbegleiter. Schuberts "Schöne Müllerin" führt ihn nach New York. Ein Konzert, ein paar Verständigungsproben davor, die Zeit vor dem Auftritt - sie bilden den Rahmen, den Hauptstrang der Handlung.
An äußeren Ereignissen denkbar arm, ist die Erzählung umso reicher an Erinnerung. Aus den Gesprächen mit dem Sänger; aus dem musikalischen Fluß der Schubert-Lieder taucht die alte Mär der unglücklichen Jugendliebe wieder auf. Die Übergänge verfließen: Die "Schöne Müllerin" verschwimmt mit der fernen Geliebten, der Bach spiegelt des Pianisten eigene Geschichte.
Im Augenblick der Aufführung, im Konzert mit Schuberts "Schöner Müllerin" erreicht diese Verdichtung ihren kunstvoll-spannungsgeladenen Höhepunkt: ein Moment der Katharsis, der den Protagonisten endlich aus seiner Besessenheit entläßt, das Schmetterlingsnetz, in dem er sich selbst verfangen hat, von ihm nimmt und ihm so das Schicksal von Schuberts Müllerburschen erspart. So steht denn am Ende kein Verlorener und kein Untergeher (auch der Sog von Thomas Bernhards "Untergeher"-Suada schien ihn bisweilen mächtig anzuziehen), sondern ein Befreiter. Das Buch endet leicht und beschwingt: auf den schimmernden, flirrenden Flügeln eines Schmetterlings.