- Ein Buch, das sich überraschend und aufs schönste als
Trouvaille entpuppt: Denn dem "Schmetterlingsfänger", mit dem die Übersetzerin
und Texterin Sabine Maria Gruber ihr Debüt als Romanautorin gibt, haftet
nichts vom Raupenzustand eines Erstlingswerks an Dieser Neuling kommt flügge
zur Welt. Wo andere die Schwingen der Poesie erst mühsam aus dem Kokon von
Tradition und Ambition schälen, erhebt er sich frei und souverän auf den bunt
schillernden Flügeln der Sprache.
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- Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie, zumal wenn
sie so gut erzählt wird wie hier - immer neu. Ein Jüngling liebt ein
Mädchen, das hat zwar nicht, wie‘s bei Heine heißt, einen andern erwählt.
Aber es entzieht sich diesem Jüngling, entwindet sich seiner obsessiven
Liebe, entfliegt ihm wie ein Schmetterling. Die Bilderwelt der Falter wird
in dieser Liebesgeschichte metaphorisch fein entfaltet - wie der Roman
überhaupt von einem feinmaschigen (Schmetterlings-)Netz von Metaphern und
Motiven durchzogen ist. Die Musik spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die
Hauptfigur Schmetterlingsfänger und Ich-Erzähler in Personalunion, ist
Pianist, genauer gesagt: Liedbegleiter. Schuberts "Schöne Müllerin" führt
ihn nach New York. Ein Konzert, ein paar Verständigungsproben davor, die
Zeit vor dem Auftritt - sie bilden den Rahmen, den Hauptstrang der Handlung.
- An äußeren Ereignissen denkbar arm, ist die Erzählung
umso reicher an Erinnerung. Aus den Gesprächen mit dem Sänger; aus dem
musikalischen Fluß der Schubert-Lieder taucht die alte Mär der unglücklichen
Jugendliebe wieder auf. Die Übergänge verfließen: Die "Schöne Müllerin"
verschwimmt mit der fernen Geliebten, der Bach spiegelt des Pianisten eigene
Geschichte.
- Im Augenblick der Aufführung, im Konzert mit Schuberts
"Schöner Müllerin" erreicht diese Verdichtung ihren
kunstvoll-spannungsgeladenen Höhepunkt: ein Moment der Katharsis, der den
Protagonisten endlich aus seiner Besessenheit entläßt, das
Schmetterlingsnetz, in dem er sich selbst verfangen hat, von ihm nimmt und
ihm so das Schicksal von Schuberts Müllerburschen erspart. So steht denn am
Ende kein Verlorener und kein Untergeher (auch der Sog von Thomas Bernhards
"Untergeher"-Suada schien ihn bisweilen mächtig anzuziehen), sondern ein
Befreiter. Das Buch endet leicht und beschwingt: auf den schimmernden,
flirrenden Flügeln eines Schmetterlings.
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